Corona-Entschleunigung oder: Warum der Kaffee heute besser schmeckt als je zuvor

Manuel Fink, Head of Product Development bei der ELG E-Learning Group, berichtet über seine Erfahrungen mit der Corona-Krise

Rund um das Coronavirus jagt eine besorgniserregende Nachricht die Nächste. Keine Frage: Das Coronavirus stellt Wirtschaft, Gesellschaft und Politik vor neuartige Herausforderungen. Gefragt sind innovative Lösungen, Nationen müssen mehr denn je zusammenarbeiten, um die Situation in den Griff zu bekommen und Folgeschäden zu minimieren.

Doch darum soll es in diesem Beitrag nicht gehen. Viel eher soll der Beitrag die positiven Aspekte des Coronavirus beleuchten – von der Corona-Krise zur Corona-Chance sozusagen. In diesem Beitrag möchte ich das Konzept der Entschleunigung beleuchten.

Eben noch war mein Alltag von Hektik geprägt. Das geschäftliche Treiben war mein Imperativ, meine tägliche Handlungsmaxime. Mein Kopf war gefüllt mit Details zu Projekten, Aufgaben, Strategien und Terminen. Arbeit war und ist mir wichtig. Ich mache meinen Job gerne und werde nicht selten als Workaholic abgestempelt. Es hatte schon so etwas wie ein Videospiel: „Ein Level noch und dann hör‘ ich auf“ – „eine E-Mail noch und dann ist Schluss“.

So bin ich einfach. Das hat sich ehrlich gesagt auch durch Corona nicht geändert. Auch jetzt, elf Tage nach Beginn der Isolation aufgrund der verhängten Ausgangsbeschränkungen arbeite ich. Nur eben von zuhause aus. Weiterhin gibt es Projekte, Aufgaben, Strategien und Termine. Es ist theoretisch alles gleich – praktisch jedoch alles anders. Es fühlt sich anders an, mein Mindset hat sich geändert. Aber wie das?

Nach einigem Nachdenken bin ich davon überzeugt, dass der Schlüssel in ebendieser Entschleunigung liegt. Entschleunigung, was ist das eigentlich? Wikipedia sagt dazu folgendes: Mit Entschleunigung wird ein Verhalten beschrieben, aktiv der beruflichen und privaten Beschleunigung des Lebens entgegenzusteuern, d. h. wieder langsamer zu werden oder sogar zur Langsamkeit zurückzukehren.

Soweit so gut. Nur meine ich, dass diese Entschleunigung nicht aktiv von mir selbst eingeleitet wurde (wie gesagt, Termine und Co gibt es weiterhin reichlich), sondern es sich viel mehr um ein gesellschaftliches Phänomen handeln muss. Es wirkt so, als ob die Welt um mich herum stehengeblieben ist. Auf den Straßen ist es ruhig, das Telefon klingelt seltener, Freizeitstress gibt es zurzeit gar nicht und die berufliche Hast wird nicht zuletzt durch das isolierte Ein-Mann-Büro überschaubarer. Passive Entschleunigung, so lautet meine Diagnose.

Mit anderen Worten: Anstatt permanent 80 Dinge parallel tun zu müssen (oder zu können – die Möglichkeit reicht ja schon), gehe ich heute, am Tag 11 der Quasi-Quarantäne, bedachter vor. Ein Kaffee wird beispielsweise nicht mehr zwischen Meetings heruntergeschlungen, er wird bewusst zubereitet, in Ruhe genossen – ohne Hektik. Draußen scheint die Sonne? Dann wird die kurze Verschnaufpause auf den Balkon verlegt– ohne Smartphone, einfach so. Die Konsequenz: Die Tasse Kaffee schmeckt besser als je zuvor, jeder Sonnenstrahl wird wertgeschätzt, ruhige Momente werden nicht mehr als vergeudete Zeit, sondern als Entspannung und Glück betrachtet.

Home-Office bei der E-Learning Group – wenn die Katze zum Arbeitskollegen wird

Was heißt das nun für die Zukunft, die Post-Corona-Zeit sozusagen? COVID-19 wird unser Leben noch einige Wochen bestimmen. Eventuell sogar länger. Und ja, für Wirtschaft, Politik und letztlich natürlich auch uns bleibt es eine Herausforderung. Das Negative übersteigt zweifellos das Positive, aber letztlich hat bekanntlich jede Medaille zwei Seiten. Für mich ist klar, dass ich diese passive Entschleunigung zu einer aktiven, bewussten, eigenen Entscheidung machen möchte.

Wie soll mir das gelingen? Nach umfassender Reflexion habe ich folgende drei Handlungsempfehlungen identifiziert:

  1. Bewusst ernähren. Viel kochen, sich für die Nahrungsaufnahme Zeit nehmen und einfach mal nichts nebenbei machen.
  2. Nein sagen. Freizeitstress ist der Erzfeind der Entschleunigung. Es ist wichtig, kein Ja-Sager zu sein, sondern auch mal einen Abend nur für sich zu haben.
  3. Solotasking. Multitasking gilt als effektiv. Man erledigt mehrere Sachen gleichzeitig und ist entsprechend schneller fertig – so die Theorie. Doch in Wahrheit erzeugt man damit hauptsächlich Stress. Auch wenn es mal länger dauert: Nehmen Sie sich Zeit, um Ihre Aufgaben nacheinander abzuarbeiten.